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as Abenteuer beginnt 50 Kilometer nordwestlich von Chiang
Mai. Wir stecken fest, und zwar richtig. Nichts geht
mehr, der Pick up hat sich festgefahren in einer dicken Schicht
aus rotem Lehm, aufgeweicht vom Regen der Nacht. Vichit macht
das Zeichen. Alle müssen von Bord. Jetzt heißt es schieben.
Räder drehen sich. Roter Schlamm spritzt durch die Luft. Aber
der Wagen bewegt sich keinen Zentimeter. Da hilft auch kein
Ziehen und Zerren mehr. Der Fußmarsch beginnt heute einen
Kilometer eher als sonst. Eine Trekkingtour in Thailands Norden
ist eben keine Spazierfahrt.
Vichit ist unser Guide. Er führt den kleinen Trupp
aus Deutschen, Engländern, Schweden und Kanadiern an, mitten
hinein in den Dschungel des Doi Ithanon Nationalparks, wo
80 Meter hohe Baumgiganten in den Himmel ragen und armdicke
Lianen und Riesenfarne ein undurchdringliches Wirrwarr bilden.
Mücken tanzen in der schwülen Hitze. Plötzlich ein Knistern
und Knacken, ein Schrei. Alle schauen nach oben. Nichts
zu sehen, nur das Biegen von Ästen. "Monkey", flüstert Vichit.
Wir sehen nichts. Wenig später ein Rauschen. Erst fern, dann
immer näher, dann braust es. Ein kleiner Wasserfall, vielleicht
10 Meter hoch. Vichit sagt, dass man im Pool Baden könne.
Alle springen hinein.
Das Wasser ist klar und kühl. Dann geht es weiter, endlose
Berge hinauf und hinunter bis endlich das Dorf erreicht
ist, das Quartier für die erste Nacht. Man hat uns erwartet:
Kinder in lehmbraunen Kleidern laufen herbei, lachen und winken;
Frauen in schwarzen Trachten, Babys auf dem Rücken oder ein
Fuder Feuerholz, grüßen herzlich. Es riecht nach frischem
Rauch und Feuchtigkeit. Der Blick fällt in ein tiefes Tal
mit Bananenplantagen und kargen Äckern an steilen Hängen.
Am Horizont verlängern dicht bewaldete Bergkuppen den Blick
bis ans Ende der Welt. Wunderbar.
Dorfchef Kaew bittet zu Tisch. Zwischen einer Hand voll Reis
und gebratenem Hühnchen erzählt er, dass der Regen letzte
Nacht viele Wege in der Gegend in rauschende Bäche verwandelt
hat. Später bietet er selbstgebrannten Reisschnaps
an. Zum Schlafen sucht sich jeder eine Ecke auf dem Podest
in seinem Haus aus Bambus und Stroh. Der nächste Morgen beginnt
um viertel nach Fünf. Ein Hahn kräht nach Aufmerksamkeit.
Füße schlurfen, ein Baby schreit, Hunde kläffen ins Halbdunkel.
Von irgendwo weht der Duft frischen Feuers. Vichit verteilt
Instantkaffee und Reisenudeln. Nicht gerade üppig, aber es
reicht. Denn heute sollen andere laufen.
Das Elefantencamp ist nur wenige Fußminuten entfernt.
14 graue Riesen mümmeln gerade an ihrem Frühstück. Sie scheinen
sich über unsere Ankunft zu freuen. Jedenfalls scharren sie
erwartungsvoll mit den Hufen. Wir auch, wollen am liebsten
gleich auf ihren breiten Rücken. Doch wie kommt man hinauf
auf so einen Berg? Vichtit grinst und deutet auf ein Gerüst,
das aussieht wie eine Rampe zum Beladen von Flugzeugen. Zwei
Reiter teilen sich einen Tragekorb. Der Dritte muss auf den
Kopf. Das ist Steve, der Engländer. Er scheint nicht gerade
glücklich darüber, denn er hat kurz Hosen an, und die stacheligen
Borsten von Elefantendame Noi stechen ihn an den Beinen.
"You are lucky man". Mahut Simon reckt den Daumen in die Luft.
"It's the chefs seat". Steve lacht. Unsicher versucht er,
sich an Noi's Ohren festzuhalten. Dann geht es los.
Wir schaukeln in schwerer Dünung Richtung Abgrund.
30 Prozent Gefälle. Im Gleichschritt trottet Noi hinter den
anderen Elefanten durchs dichte Grün, auf Wegen, die sie blind
zu kennen scheint. Die Eleganz, mit der sie ihre Schritte
setzt, verblüfft. Selbst steilste Stellen nimmt sie sicherer
als jeder 4WD. Ach, wären doch alle Autos Elefanten! Dann
stehen wir plötzlich bis zum Bauch im Wasser. Genauer gesagt,
Noi. Dass sie jetzt mal bloß nicht auf die Idee kommt, ein
Bad zu nehmen. In der schwülen Hitze, die sich als klebriger
Film auf die Haut gelegt hat, wäre das nicht weiter verwunderlich.
Aber Noi ist artig und bringt uns sicher ans andere Ufer.
"Tocktocktock", ein hölzernes Klingeling wie von einem
Windspiel begleitet die Nacht unter dicken Decken im Langhaus.
Am Morgen wird deutlich, woher es stammt: Da treiben hunderte
Bambusstangen im Fluss und reiben ihre Körper aneinander.
Warum, wird auch schnell klar. "Bamboorafting" steht auf dem
Programm. Bei uns heißt das Floßfahrt. Schon sind einige Männer
mit flinken Händen dabei, die Stangen zu Plattformen zu verbinden.
Es wackelt und biegt sich, aber es hält. Nur an der zweiten
Stromschnelle schießt einmal Wasser über die Planken. Ein
Rucksack geht über Bord. Jemand rettet ihn. Dann wird
es wieder ganz ruhig und selig. Rechts und links des Ufers
zieht dichtestes Grün vorbei, aus dem Urwald dringen gedämpfte
Schreie, oben blinzelt die Sonne durch einen schmalen Streif
Himmel. Dann sind wir da. Am Ziel steht schon der Pick-Up,
frisch gewienert und befreit vom Lehm, kaum wieder zu erkennen.
Wie bequem eine Fahrt auf glattem Asphalt doch ist. Die Zivilisition
hat uns wieder. Schön irgendwie, aber auch schade.
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