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Cameron Highlands
© Tourism Malaysia
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um Schreien schön ist das: zartgrüne Teeplantagen, so weit
das Auge reicht, meterhohe Riesenfarne wuchern am Wegesrand,
Baumgiganten ragen in den Himmel, Westwind treibt Nebelfahnen
über die Hänge. Und plötzlich ist sie wieder da, die Sonne,
taucht alles in ein goldenes Licht und lässt 500 schwindelerregende
Kurven und 30 unsanfte Kilometer hinauf nach Tana Rata blitzschnell
vergessen.
"Bala's Holdiday Chalets" steht in weißen Lettern
am Eingang des historischen Cottages. Vom Ziegeldach rankt
wilder Efeu. Rotlilagelbe Blumenhecken umgrenzen den
Garten. Der Rasen kurz wie ein Golfgrün. Sogar die Hollywoodschaukel
ist da. Englisches Landhausidyll, vertraut irgendwie, nur
hier oben, 1500 Meter über dem Meer mitten Malaysia wirkt
es überwältigend fremd.
"Welcome to Cameron Highlands". Hotelchef Bala Krishnan
hat sein breitestes Lächeln aufgesetzt. Hochgewachsen, vornehm,
indisches Gesicht wie seine Frau, die mit geschmeidigem Lächeln
englisches Teegebäck und selbstgemachte Erdbeermarmelade serviert.
Nicht ohne Stolz führt Bala Neuankömmlinge übers Anwesen und
durchs alte Fachwerk, zeigt auf viktorianische Sofas, antike
Tischchen, teure Teppiche, silberne Lüster und erzählt von
früher, als das Haus kein Hotel, sondern ein Internat für
die Kinder der britischen Kolonialherren war.
Wenn Bala lange genug in seiner Erinnerung kramt, kann er
sie noch erzählen, die Geschichte seiner Vorfahren,
die als arme Teepflücker nach Tana Rata kamen. Damals als
die Engländer Kolonialgeschichte schrieben und die Cameron
Highlands als idealen Standort für den Teeanbau entdeckten.
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Balas Holiday Chalet
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Die Briten sind längst aus Malaysia verschwunden, aber Bala
und all die anderen Nachkommen der indischen Pioniere sind
geblieben und mit ihnen alles, was ihnen lieb und teuer ist:
ihr Essen, ihre Kleidung, ihre Religion und vor allem ihre
Feste. Einmal im Jahr feiert die malaysische Hindugemeinschaft
Thaipusam, das größte aller Hindufestivals. Dann bringen
Gläubige im ganzen Land ihrem Gott Geschenke, und fromme Pilger
kasteien sich und bohren sich spitze Nadeln und Haken durch
Stirn und Wangen.
Die Chinesen kamen im Schlepptau der Holländer nach Malaysia,
die Anfang des 16. Jahrhunderts die Westküste der Halbinsel
eroberten. Besonders Georgetown, Hauptstadt der nördlich
gelegenen Insel Penang lässt eine Ahnung vom Reich der Mitte
aufkommen. Da gibt es ganze Straßenzüge mit chinesischen Schriftzeichen.
Es gibt chinesische Hotels und chinesische Goldläden, alte
spitzbärtige Chinesen, die zwischen Vogelkästen und Heilkräutern
vor ihren Häusern hocken und junge Chinesen, die mit nacktem
Oberkörper in ihren Garküchen hinterm flammenden Wok fuhrwerken.
Und es gibt sie immer noch, die kolonialen Shophouses mit
ihrer verwaschenen Patina und den brüchigen Fensterläden,
Lieblingsfotomotiv aller Touristen und die konfuzianischen
Tempel, die so alt aussehen wie der Orient selbst.
Vor dem Goddess of Mercy-Tempel, dessen knorriges Teak schon
seit mehr als 200 Jahren den jährlichen Monsunregen trotzt,
sitzt Nai Zhou in ihrem Kioskhäuschen und verkauft Räucherstäbchen.
Hunderte, Tausende, vielleicht sogar Millionen, und wer hier
noch denkt "wer soll die nur alle kaufen?", denkt dies nicht
mehr, wenn er erst einmal die Schwelle zum Allerheiligsten
übertreten hat und all die glimmenden Stengel zwischen all
den goldenen Buddhas gesehen hat und den zentimeterdicken
Ruß von Millionen Räucherstäbchen an der Decke. Dann ist man
nur noch sprachlos, eingelullt vom süßlichen Duft und vom
unaufhörlichen Strom frommer Menschen, die in den Tempel strömen,
um die barmherzige Göttin um guten Rat, Reichtum oder einfach
nur um ein gutes Leben zu bitten.
Aber Penang ist keine chinesische Stadt, ihre Bewohner nicht
alle Buddhisten. In Duftweite der chinesischen Räucherstäbchen
hat die indische Gemeinde den prächtigen Sri Maramman-Tempel
errichtet, und keine hundert Meter weiter knien fromme Moslems
unter der goldenen Kuppel der Kapitan Keling Moschee zum Gebet.
"Penang verbindet Welten". So könnte ein Werbespruch lauten.
Wer das nicht einfach so glauben will, muss nur einmal über
den Nachtmarkt von Penang schlendern und sich den ganzen Geschmack
Asiens auf der Zunge zergehen lassen, vom höllisch scharfem
Thai-Curry bis zum erdnusssüßen Satayspieß, von indischem
Murtabak bis chinesischer Hokkien Suppe. Wenn Malaysia ein
Melting Pot ist, dann ist Penang mindestens ein Melting Wok.
Auf der anderen Seite Kota Bharu. Die Stadt an der
Ostküste mit dem prächtigen Sultanspalast in ihrer Mitte ist
das kulturelle Zentrum der Malaiien. Sie sind die ursprünglichen
Einwohner Malaysias und stellen die große Bevölkerungsmehrheit.
Viele leben noch immer in traditionellen Kampungs, idyllischen
kleinen Dörfern mit hölzernen Pfahlbauten entlang der Ostküste.
Bis heute haben sie ihre ganz eigene Kultur bewahrt. Die Kunst
des Drachenfliegens und Kreiseldrehens, das göttliche Schattentheater
Wayang Kulit, Vogelsingwettbewerbe und meisterhaftes Kunsthandwerk
vom Batikdruck bis zum filigranen Silberschmuck. Im Kulturzentrum
von Kota Bharu können Besucher sich all das zeigen lassen.
Hinterher glaubt garantiert niemand mehr, dass Kreiseldrehen
ein Kinderspiel ist.
Als Anfang des 15. Jahrhunderts arabische und indische Händler
nach Malaysia kamen, brachten sie den Islam auf die Halbinsel.
So kommt es, dass heute die Mehrheit der Malaien zu Mohammed
betet. Aber es ist ein offener Islam, ein Islam mit asiatischem
Gesicht, asiatischer Lässigkeit und asiatischer Toleranz,
der sich der Moderne und westlichen Lebensweisen keineswegs
verschließt.
Wie offen Malaysia gegenüber westlichen Einflüssen ist, zeigt
sich besonders in Kuala Lumpur: Kopftuch und Lippenstift,
Minirock und Sari sind hier keine Gegensätze. Fast-Food-Ketten
und Shoppingcenter. Why not? Kuala Lumpur hat kein Interesse,
an Traditionen festzuhalten. Denn mit vollem Einsatz wird
hier an der Zukunft Malaysias gebaut. Die Petronas Türme zeigen
schon jetzt, wo die Nation hin will: Ganz nach oben. Einen
guten Teil des Weges hat das Land schon geschafft. Die Wirtschaft
brummt. Malaysia gehört zu den reichsten Ländern Südostasiens.
Die Häuser sind gepflegter, die Züge pünktlicher, der Inlandsflugverkehr
und die Straßen moderner als in vielen anderen asiatischen
Ländern. Aber - und auch das ist typisch für Malaysia - sie
führen den Besucher auch ganz schnell hinaus in eine völlig
andere Welt.
Im ältesten Regenwald der Erde, dem Tamana Negara,
keine vier Autostunden von der Glitzermetropole Kuala Lumpur
entfernt, leben noch heute Menschen allein von den Früchten
des Waldes. Und wer sich in Kuala Lumpur in den Flieger setzt
und nach Sarawak oder Sabah auf Borneo fliegt, begibt sich
unweigerlich auf eine Zeitreise. Eine Reise zu den Urvölkern
Malaysias, etwa den Iban, die wie seit ewigen Zeiten als
Dorfgemeinschaft in bis zu 200 Meter langen Langhäusern unter
einem Dach wohnen und westlichen Besuchern vorleben, wie schön
die Welt auch ohne zivilisatorischen Schnickschnack sein kann.
Zur Begrüßung gibt es Tänze und Reisschnaps, Hähnchen im Bambusrohr
und rohen Fisch, und spätestens, wenn die Gastgeber beginnen
die Gongs zu schlagen und ihre Geschichten aus der sagenumwobenen
Vergangenheit erzählen, kommt wohl für jeden Besucher der
Punkt, an dem er innehält, sich die Augen reibt und sich fragt:
Malaysische Kultur was ist das eigentlich? Die Antwort ist:
Es gibt sie gar nicht, diese eine Kultur. Malaysia hat
so viele Gesichter wie es Völker hat und Religionen. Manchmal
sind es nur wenige Fußminuten von einer Welt in die andere.
Immer wenn man das Bild gerade zu fassen versucht, flutsch,
da ist es wieder weg, und plötzlich ist ein ganz anderes Malaysia
da, und nicht selten kommt das Neue so überraschend wie ein
Wetterwechsel in den Cameron Highlands.
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